3D-Druck von Prothesen für Kriegsversehrte im Jemen [Jemen]

Das Krankenhaus steht in Amman, der Hauptstadt Jordaniens, aber seine Patienten kommen von überall: aus dem Jemen, aus Syrien, aus dem Irak. Männer, Frauen, Kinder, die in Kriegen Arme oder Beine verloren haben. Sie werden operiert, versorgt, und dann bekommen sie etwas, das es vor ein paar Jahren noch nicht gab: Prothesen aus dem 3D-Drucker.

Ein Projekt von Ärzte ohne Grenzen

Seit 2006 betreibt Ärzte ohne Grenzen in Amman ein spezialisiertes Zentrum für Kriegsversehrte. Plastische Chirurgie, Rehabilitation, Prothesen – hier wird versucht, wiederherzustellen, was die Bomben zerstört haben. 2016 begann die MSF Foundation mit einer Studie, um zu prüfen, ob 3D-gedruckte Prothesen eine Alternative zu herkömmlichen sein könnten (3Druck.com 2018).

Das Ergebnis war eindeutig. Die Materialkosten liegen zwischen 20 und 70 Dollar, der Druck dauert nur Stunden (3Druck.com 2018). Herkömmliche Prothesen kosten ein Vielfaches und brauchen Wochen. Vor dem Druck wird der Patient genau befragt: Wofür braucht er die Hand? Zum Autofahren oder zum Schreiben? Je nach Antwort werden die Finger anders konstruiert (3Druck.com 2018). Jeder Patient bekommt zwei bis drei verschiedene Prothesen für unterschiedliche Tätigkeiten.

Ein Patient aus Mosul

Ibrahim hieß der Mann, und er kam aus Mosul. Eine Autobombe hatte ihn auf der Straße erwischt, als er ging. Kopf, Bein, Hand – alles verletzt, alles kaputt. Sechs Operationen überlebte er, drei davon am Kopf. Aber seine Hand war weg (3Druck.com 2018). Im Krankenhaus von Amman bekam er eine neue. Nicht von der Stange, sondern maßgeschneidert, perfekt passend.

Für Pierre Moreau, den klinischen Koordinator des Projekts, sind solche Momente der Grund, warum er diesen Job macht. „Es geht um Lebensqualität, die unsere Patienten im Alltag wieder zurückgewinnen“, sagt er. „Das bedeutet mir persönlich unglaublich viel“ (3Druck.com 2018).

Ein neues Projekt für Gaza

Die Nachfrage ist groß. Allein im Gazastreifen haben zwischen 3.000 und 4.000 Kinder mindestens ein oder mehrere Gliedmaßen verloren. UNICEF hat im Mai 2025 ein neues Projekt angekündigt: In Jordanien sollen Produktionsstätten entstehen, die Prothesen für Kinder in Gaza drucken. Gefördert wird es von der Federation of Islamic Associations in New Zealand mit 250.000 Dollar.

Die Idee ist, die Prothesen vor Ort zu produzieren, nah an den Bedürftigen. Denn der 3D-Druck macht es möglich: günstig, schnell, individuell. Und für Menschen wie Ibrahim bedeutet das ein neues Leben.


Quellen:

3Druck.com (2018): Ärzte ohne Grenzen: 3D-gedruckte Prothesen für Kriegsverletzte. Verfügbar unter: https://3druck.com/nl/medizin/das-von-aerzte-ohne-grenzen-betriebene-krankenhaus-bietet-3d-gedruckte-prothesen-4644645/

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