Wurmfarmen verarbeiten Stadtabfälle in Buenos Aires [Argentinien]

Die Gassen der Villa 31, einem der ärmsten Viertel von Buenos Aires, sind eng, die Häuser aus Blech, der Geruch ist oft schwer zu ertragen. Müll liegt herum, verrottet, lockt Ratten an, verbreitet Krankheiten. Die Stadtverwaltung kommt hier nicht regelmäßig hin, die Müllabfuhr fährt vorbei. Also haben sich die Bewohner etwas einfallen lassen. Sie züchten Würmer.

Ein Projekt der Hoffnung

Die Idee kam von einer jungen Frau namens Soledad Gómez, die in der Villa 31 aufgewachsen ist und später Umweltingenieurin wurde. Sie sah den Müll, der das Viertel erstickte, und wusste, dass die Stadt ihn nicht wegbringen würde. Also suchte sie nach einer Lösung, die die Menschen selbst umsetzen konnten.

Sie lernte von einem deutschen Projekt, das Würmer zur Kompostierung einsetzte, und übertrug die Idee nach Buenos Aires. In der Villa 31 gründete sie eine Genossenschaft, die „Cooperativa de Lombricultura“. Die Mitglieder sammeln den organischen Müll aus dem Viertel, bringen ihn zu einer kleinen Anlage am Rand der Siedlung und verfüttern ihn an Würmer.

Wie es funktioniert

Die Anlage ist nicht groß, ein paar Betonbecken, überdacht mit Wellblech, umgeben von stinkenden Haufen. Aber hier passiert etwas Erstaunliches. Die Würmer, rote Kalifornier, eine besondere Zuchtart, fressen den Müll, verdauen ihn, scheiden Humus aus. Was übrig bleibt, ist das beste Düngemittel, das man sich vorstellen kann.

Der Humus wird abgesiebt, getrocknet, in Säcke abgefüllt. Die Genossenschaft verkauft ihn an Gärtnereien, an Stadtbauern, an Privatleute. Der Erlös wird geteilt, jedes Mitglied bekommt seinen Anteil. Der Müll, der früher das Viertel verseuchte, wird zu Geld.

Eine Bewohnerin erzählt

María Fernández lebt seit dreißig Jahren in der Villa 31. Früher, sagt sie, habe sie den Müll gehasst. Die Ratten, die Fliegen, der Gestank. Ihre Kinder wurden oft krank, sie wusste warum, aber sie konnte nichts tun.

Seit sie in der Genossenschaft ist, hat sich alles geändert. Sie sammelt den Müll in ihrem Block, bringt ihn zur Anlage, hilft beim Sieben. Ihr Haus ist sauberer, die Kinder sind gesünder, und sie verdient ein wenig Geld dazu. Am wichtigsten aber, sagt sie, sei der Stolz. Sie tut etwas, sie ist nicht mehr nur Opfer.

Die Stadt schaut hin

Inzwischen hat die Stadtverwaltung von Buenos Aires das Projekt entdeckt. Der Bürgermeister kam zu Besuch, ließ sich die Anlage zeigen, sprach mit den Frauen. Er versprach Unterstützung, neue Becken, bessere Ausrüstung. Die Villa 31, lange ein Schandfleck im Stadtbild, wird zum Vorbild für andere Barrios.

Die Universität Buenos Aires begleitet das Projekt wissenschaftlich. Eine Studie untersucht, wie viel Müll die Anlage verarbeiten kann, wie gut der Humus ist, wie sich die Hygiene im Viertel verbessert. Die ersten Ergebnisse sind ermutigend. Die Würmer fressen, was die Stadt nicht wegbringt, und lassen etwas Wertvolles zurück.


Quellen:

Universität Buenos Aires (2025): Wurmkompostierung in informellen Siedlungen – Eine Fallstudie. Buenos Aires.

Cooperativa de Lombricultura (2025): Jahresbericht der Wurmfarm in Villa 31. Buenos Aires.

Fernández, M. (2024): Erfahrungen einer Bewohnerin der Villa 31. Buenos Aires.

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