Im Südwesten Äthiopiens, dort, wo der Kaffee seinen Namen her hat, liegt eine der letzten großen Nebelwaldregionen Afrikas. Die Bäume sind hoch, die Kronen dicht, und fast das ganze Jahr über hängen Wolken in den Hängen. Aus diesem Wald kommt das Wasser, das die Teeplantagen und Kaffeefelder der Täler bewässert, das die Menschen trinken, das die Tiere brauchen. Aber der Wald schwindet. Und mit ihm das Wasser.
Die Dörfer wehren sich
In der Region um die Stadt Bonga haben sich mehrere Dörfer zusammengeschlossen, um ihre Wälder zu schützen. Sie nennen sich „Kaffa Forest Guardians“ und verfolgen eine einfache Idee: Die Wälder gehören nicht dem Staat, nicht einer Firma, sondern der Gemeinschaft. Jeder, der im Dorf lebt, ist mitverantwortlich und darf mitentscheiden.
Die Gemeinschaft hat Regeln aufgestellt. Bäume dürfen nur gefällt werden, wenn alle zustimmen, und nur dann, wenn neue gepflanzt werden. Das Sammeln von Brennholz ist erlaubt, aber nur in bestimmten Gebieten. Die Jagd ist verboten, ebenso das Abbrennen von Wald für neue Felder. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft, erst mit Geld, dann mit Ausschluss aus der Gemeinschaft.
Ein alter Mann erzählt
Tesfaye Ayele ist siebzig Jahre alt und lebt sein ganzes Leben in dem Dorf Bonga. Er erinnert sich an Zeiten, in denen der Wald bis vor seine Hütte reichte, in denen die Quellen das ganze Jahr über Wasser führten, in denen man jeden Schritt tun konnte, ohne auf offenes Feld zu stoßen. Dann kamen die Holzfäller, die Farmer, die Siedler. Der Wald schwand, die Quellen versiegten, das Wasser wurde knapp.
Als die Gemeinschaftsforsten gegründet wurden, war Tesfaye einer der ersten, die mitmachten. Er ging von Haus zu Haus, überzeugte die Nachbarn, erklärte ihnen, dass der Wald ihre Lebensversicherung sei. Heute ist er der Vorsitzende der Guardians und trifft sich einmal im Monat mit den anderen, um zu beraten, zu planen, zu streiten.
Das Wasser kommt zurück
Die Erfolge sind messbar. In den geschützten Wäldern steigt der Grundwasserspiegel, die Quellen führen wieder Wasser, die Bäche trocknen nicht mehr aus. Die Bauern in den Tälern berichten von besseren Ernten, weil sie ihre Felder bewässern können. Der Kaffee, der im Schatten der Bäume wächst, wird auf dem Weltmarkt zu höheren Preisen gehandelt.
Eine deutsche Hilfsorganisation hat das Projekt unterstützt, mit Geld und Beratung. Aber die Arbeit machen die Menschen selbst. Sie haben verstanden, dass der Wald ihr Reichtum ist, und dass sie ihn schützen müssen, wenn er bleiben soll. Tesfaye sagt, er sei stolz auf das, was sie geschafft haben. Seine Enkel, hofft er, werden auch noch im Schatten der Bäume sitzen, wenn er längst nicht mehr da ist.
Quellen:
Kaffa Forest Guardians (2025): Gemeinschaftswälder in der Kaffa-Region – Jahresbericht. Bonga.
Universität Addis Abeba (2024): Wassereinzugsgebiete und Gemeinschaftsforsten in Südwestäthiopien. Addis Abeba.
Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (2025): Waldschutzprojekt Kaffa – Abschlussbericht. Bonn.
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