Brachvogel-Schutz durch Wiesenbewirtschaftungsverträge in Bayern [Deutschland]

Es ist ein Ruf, den kaum jemand mehr kennt. Lang gezogen, melancholisch, wie eine Flöte im Wind. Die Bauern in Oberbayern nennen ihn „das Heulen“. Es ist der Ruf des Großen Brachvogels, eines Watvogels mit langem, gebogenem Schnabel, der auf den feuchten Wiesen zwischen München und den Alpen seine letzten Rückzugsorte hat.

Vor fünfzig Jahren war der Brachvogel in Bayern noch häufig. Dann kamen die Drainagen, die Flurbereinigung, die immer früheren Mahdtermine. Die Wiesen wurden trockengelegt, die Küken starben in den Mähwerken, die Nester wurden von Füchsen geplündert. Heute gibt es nur noch etwa fünfzig Brutpaare im ganzen Freistaat [citation:0].

Die Rettung kommt von einer ungewöhnlichen Allianz. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern hat mit Bauern im Landkreis Weilheim-Schongau Verträge abgeschlossen. Die Bauern verpflichten sich, ihre Wiesen später zu mähen, erst Mitte Juni, wenn die Brachvogelküken flügge sind. Sie lassen feuchte Senken ungemäht und verzichten auf Dünger in den Randbereichen. Im Gegenzug bekommen sie eine Entschädigung pro Hektar.

Einer dieser Bauern ist Josef Schauer, der den Hof seiner Eltern im Dorf Raisting übernommen hat. Er erzählt, dass sein Vater früher jedes Jahr die Brachvögel auf den Wiesen hatte. Dann verschwanden sie, er wusste nicht warum. Als die Naturschützer kamen und erklärten, dass die frühe Mahd die Nester zerstört, habe er sofort zugestimmt. Heute, sagt er, seien die Vögel zurück. Er zeigt auf eine Wiese hinter seinem Haus, wo drei Brachvögel mit langen Schritten durchs Gras stolzieren.

Die Verträge laufen über fünf Jahre, dann wird neu verhandelt. Die Bauern können jederzeit aussteigen, aber die meisten machen weiter. Sie haben gelernt, die Vögel zu beobachten, ihre Nester zu finden, die Küken zu schützen. Manche sind stolzer auf „ihre“ Brachvögel als auf ihre Kühe.

Die Regierung von Oberbayern hat das Projekt mit EU-Mitteln gefördert . Die ersten Ergebnisse sind ermutigend. In den Vertragsflächen ist die Zahl der Brachvogelpaare stabil geblieben, während sie außerhalb weiter sinkt. Ein kleiner Erfolg, der Hoffnung macht.


Quellen:

Landesbund für Vogel- und Naturschutz Bayern (2025): Brachvogelschutz durch Vertragsnaturschutz – Jahresbericht. Hilpoltstein.

Regierung von Oberbayern (2024): Evaluierung des Vertragsnaturschutzprogramms für Wiesenvögel. München.

Schauer, J. (2024): Erfahrungsbericht eines Vertragslandwirts. Gemeinde Raisting.

guteideen.org sollte ein interner Link sein. guteideen.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen