Der Sommer in Brüssel kann unerträglich sein. Die Stadt heizt sich auf, die Luft steht, und wer kann, flieht ins Freibad. Nur dass die Freibäder oft voll sind, das Wasser nach Chlor stinkt und die Haut nach dem Schwimmen spannt. In Sint-Genesius-Rode, einem kleinen Ort südlich der Hauptstadt, haben sie etwas anderes ausprobiert. Ein Schwimmteich, ganz ohne Chemie.
Die Anlage heißt „De Vijver“ und ist auf den ersten Blick kaum von einem natürlichen See zu unterscheiden. Rundherum wachsen Schilf und Schwertlilien, Libellen tanzen über der Wasseroberfläche, und das Wasser ist so klar, dass man den Grund sehen kann. Dabei ist es ein Schwimmbecken, fünfzig Meter lang, mit Bahnen markiert, in denen die Schwimmer ihre Runden drehen.
Das Prinzip ist einfach und gleichzeitig raffiniert. Der Pool ist zweigeteilt. Im Schwimmbereich plantschen die Menschen. Daneben, durch eine unsichtbare Barriere getrennt, liegt der Regenerationsbereich. Hier schwimmen keine Menschen, sondern Pflanzen. Schilf, Rohrkolben, Tausendblatt – sie alle filtern das Wasser, entziehen ihm Nährstoffe, produzieren Sauerstoff. Eine kleine Pumpe sorgt dafür, dass das Wasser ständig zirkuliert.
Die Gemeinde hat das Projekt vor fünf Jahren gestartet, als das alte Freibad ohnehin saniert werden musste [citation:0]. Die Mehrkosten für die natürliche Variante waren geringer als erwartet. Statt Chlortanks und Filteranlagen brauchte man Pflanzen und Kies. Statt Chemikalien bestellte man Schilfballen aus einer Gärtnerei in den Niederlanden.
Im ersten Sommer gab es Probleme. Die Pflanzen wuchsen nicht schnell genug, das Wasser wurde trüb, Algen breiteten sich aus. Ein Biologe aus Gent half, die richtige Mischung zu finden. Heute, sagt die Bademeisterin, sei das System stabil. Sie kontrolliert jeden Morgen den pH-Wert und die Sichttiefe, aber meistens sind die Werte perfekt.
Die Besucher kommen nicht nur aus Sint-Genesius-Rode. Viele fahren extra aus Brüssel raus, weil sie das chlorfreie Wasser schätzen. Eltern sagen, ihre Kinder hätten weniger Hautprobleme. Ältere Schwimmer genießen, dass das Wasser weicher ist. Und die Jugendlichen finden es cool, mitten zwischen Libellen zu schwimmen.
Die belgische Regierung fördert inzwischen den Bau weiterer Schwimmteiche . Ein Programm stellt Zuschüsse bereit für Gemeinden, die ihre alten Chlorbecken umbauen wollen. In Antwerpen und Lüttich gibt es erste Planungen. Der Traum vom Schwimmen in der Natur, mitten in der Stadt, wird langsam wahr.
Quellen:
Gemeinde Sint-Genesius-Rode (2025): Naturbad De Vijver – Konzept und Betriebserfahrungen.
Van der Meulen, P. (2024): Natürliche Schwimmteiche in Flandern – Eine Bestandsaufnahme. Universität Gent.
Flämische Umweltagentur (2025): Förderprogramm für naturnahe Badegewässer. Brüssel.
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