Kranichrückkehr in Brandenburg durch Feuchtwiesen-Schutz [Deutschland]

Es ist ein Geräusch, das immer mehr Menschen in Brandenburg wieder zu hören bekommen. Ein trompetendes, fast prähistorisches Rufen, das aus dem Morgennebel über den Wiesen schallt. Die Kraniche sind zurück. Jahrzehntelang waren sie in Deutschland seltene Gäste, scheue Durchzügler, die man nur mit etwas Glück zu Gesicht bekam. Heute gehören sie im Osten des Landes wieder fest zum Bild. Und das hat einen einfachen Grund: Die Menschen haben ihnen die Feuchtgebiete zurückgegeben.

Die stillen Jahre des Vogels des Glücks

Der Kranich, in der Mythologie vieler Kulturen als Bote des Glücks und Symbol der Weisheit verehrt, hatte in Deutschland einen schweren Stand. Die Trockenlegung von Sümpfen und Mooren, die Begradigung von Flüssen, die intensive Landwirtschaft – all das nahm ihm den Lebensraum. Brutplätze wurden rar, die Scheu der Tiere vor dem Menschen wuchs. In den 1970er Jahren gab es in ganz Westdeutschland kaum noch brütende Kraniche.

In der DDR sah es nicht viel besser aus, obwohl die weiten Flächen Brandenburgs und Mecklenburgs eigentlich ideale Bedingungen boten. Aber auch hier wurden Feuchtgebiete drainiert, um Ackerland zu gewinnen. Der Kranich zog sich in die letzten unzugänglichen Ecken zurück – oder flog gleich weiter nach Skandinavien.

Als der Osten wieder nass wurde

Die Wende brachte nicht nur politische, sondern auch ökologische Veränderungen. Mit der Wiedervereinigung wurden viele Flächen, die zuvor intensiv landwirtschaftlich genutzt worden waren, aufgegeben. Der Staat erwarb große Gebiete für den Naturschutz. Und vor allem: Man begann, die alten Drainagen zu schließen, die Feuchtgebiete wieder zu vernässen.

Der Kranich profitierte davon sofort. Wo Wasser zurückkehrte, kamen auch die Insekten, die Amphibien, die Pflanzen. Und mit ihnen die Kraniche. Sie brauchten keine aufwendige Wiederansiedlung, sie kamen von selbst – aus Polen, aus Skandinavien, aus ihren Winterquartieren in Spanien und Frankreich.

20.000 Paare und kein Ende

Die Zahlen sind beeindruckend. Lebten um 1970 gerade einmal 20 Kranichpaare in ganz Deutschland, sind es heute über 20.000. Die meisten davon in Brandenburg, das sich zum Kranichland Nummer eins entwickelt hat. Besonders die Region um den Spreewald, die Lewitz in Mecklenburg und die Havelseen sind zu Hochburgen geworden.

Die Vögel haben sich verändert. Sie sind weniger scheu geworden, nähern sich den Menschen an, brüten manchmal direkt neben vielbefahrenen Straßen. Die Schutzgebiete geben ihnen Sicherheit, und sie haben gelernt, dass von den meisten Menschen keine Gefahr ausgeht.

Ein Rastplatz von Weltrang

Brandenburg ist nicht nur Brutgebiet, sondern auch internationaler Hotspot für ziehende Kraniche. Im Herbst, wenn die Vögel aus Skandinavien und dem Baltikum nach Süden ziehen, machen Hunderttausende in Norddeutschland Station. Die Feuchtwiesen der Region bieten ihnen Nahrung und Schutz vor Jägern – in Südeuropa sieht das anders aus.

Die Linumer Teiche, der Gülper See, das Rhinluch – das sind Namen, die in der Vogelkunde weltweit bekannt sind. Hier rasten bis zu 80.000 Kraniche gleichzeitig, ein Naturschauspiel, das jedes Jahr Tausende Besucher anzieht. Wenn sie abends von ihren Schlafplätzen in den Feuchtgebieten zu den Nahrungsflächen aufbrechen, verdunkelt ihr Keil manchmal den Himmel.

Die Kranichwächter von Brandenburg

Dieser Erfolg ist nicht vom Himmel gefallen. Es brauchte Menschen, die sich kümmerten. Der Kranichschutz in Brandenburg ist eng mit dem Namen des Kranichschutz Deutschland e.V. verbunden, der seit Jahrzehnten die Bestände erfasst, die Brutplätze überwacht und sich um verletzte Tiere kümmert.

Besonders wichtig ist die Arbeit in den Schutzgebieten selbst. Ranger und freiwillige Helfer sorgen dafür, dass die Ruhezonen respektiert werden, dass Hunde an der Leine bleiben und dass niemand die scheuen Vögel stört. Die Landwirte werden einbezogen, erhalten Ausgleichszahlungen, wenn sie ihre Wiesen später mähen, damit die Jungvögel nicht in den Mähwerken sterben.

Der Klang der Wildnis

Wenn im zeitigen Frühjahr die ersten Kraniche zurückkehren, wenn ihr Rufen über den aufgetauten Wiesen schallt, dann ist das für viele mehr als nur ein Naturschauspiel. Es ist der Klang der Wildnis, die zurückerobert, was ihr einst genommen wurde. Es ist der Beweis, dass es sich lohnt, für die Natur zu kämpfen.

Die Kranichrückkehr in Brandenburg ist eine der großen Erfolgsgeschichten des deutschen Naturschutzes. Sie zeigt, dass Arten nicht nur verschwinden müssen, dass es möglich ist, Verlorenes zurückzuholen – wenn man ihnen nur den Raum lässt, den sie brauchen.


Quellen:

Kranichschutz Deutschland (2025): Bestandsentwicklung und Schutzgebiete. Verfügbar unter: https://www.kraniche.de

NABU Brandenburg (2024): Kranichrastgebiete in Norddeutschland. Verfügbar unter: https://brandenburg.nabu.de

Landesamt für Umwelt Brandenburg (2025): Feuchtgebietsrenaturierung und Artenschutz. Verfügbar unter: https://lfu.brandenburg.de

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