Wildpflanzen-Apotheke: Dorfheilerinnen dokumentieren Wissen in Mali [Mali]
Die Frau sitzt im Schatten eines Mangobaums, vor ihr ausgebreitet: Blätter, Rinden, Wurzeln. Sie reibt eine getrocknete Rinde zwischen den Fingern, riecht daran, nickt. Seit vierzig Jahren heilt sie die Menschen in ihrem Dorf. Malaria, Bauchschmerzen, Hautkrankheiten – sie kennt für alles ein Mittel. Ihr Wissen hat sie von ihrer Mutter, und die von deren Mutter. Aber wer wird es weitergeben, wenn sie einmal nicht mehr ist?
Das Erbe der Heiler
In Mali ist traditionelle Medizin für etwa 80 Prozent der Bevölkerung die einzige medizinische Versorgung (Togola et al. 2005). Die Krankenhäuser sind weit weg, die Ärzte teuer, die Medikamente oft nicht verfügbar. Die Heiler – Männer und Frauen, die das Wissen um Heilpflanzen über Generationen bewahrt haben – sind die eigentlichen Ärzte des Landes.
Doch dieses Wissen ist bedroht. Die Jungen ziehen in die Städte, übernehmen moderne Methoden, vergessen die alten. Die Alten sterben, und mit ihnen stirbt, was sie wussten. Eine Studie aus dem Jahr 2005 dokumentierte das Wissen von 94 Heilern in den Regionen um Bamako, der Hauptstadt Malis (Togola et al. 2005).
Sieben Pflanzen, fünfzig Anwendungen
Die Forscher konzentrierten sich auf sieben Heilpflanzen, die in der traditionellen Medizin eine wichtige Rolle spielen. Was sie fanden, war beeindruckend: Etwa fünfzig verschiedene medizinische Indikationen wurden für diese Pflanzen genannt. Am häufigsten wurden sie gegen Malaria eingesetzt (22 Prozent der Anwendungen), gefolgt von Bauchschmerzen und Hautkrankheiten (Togola et al. 2005).
Die meisten Heilmittel wurden aus frisch gesammelten Pflanzen zubereitet, meist als Abkochung der Blätter. 65 Prozent der Rezepte waren Abkochungen, 13 Prozent Aufgüsse aus getrocknetem Blattpulver (Togola et al. 2005). Einige wurden mit Honig, Zucker, Salz, Ingwer oder Pfeffer gemischt – Zutaten, die nicht nur den Geschmack verbessern, sondern oft selbst heilende Wirkung haben.
Ein System der Anerkennung
Mali ist eines der wenigen afrikanischen Länder, das die traditionelle Medizin systematisch fördert. Das „Département de Médecine Traditionnelle“ (DMT) in Bamako registriert Heiler, dokumentiert ihr Wissen und erforscht die verwendeten Pflanzen (Togola et al. 2005). Wer als Heiler anerkannt wird, erhält eine offizielle Identitätskarte – eine Auszeichnung, die in den Dörfern viel bedeutet.
Inzwischen hat das DMT zwölf „Improved Traditional Medicines“ entwickelt, standardisierte pflanzliche Arzneimittel, die in Apotheken verkauft werden. Sieben davon sind vom Gesundheitsministerium als essenzielle Medikamente anerkannt (Togola et al. 2005). Gegen Husten, Ruhr, Magengeschwüre, Hepatitis, Verstopfung, Malaria und Hautkrankheiten gibt es jetzt Medikamente, die auf dem Wissen der Heiler basieren.
Die alte Frau unter dem Mangobaum weiß nichts von diesen Erfolgen. Aber ihre Enkelin, die in Bamako studiert, hat davon gehört. Sie kommt jetzt manchmal zu Besuch und fragt nach. Vielleicht, hofft die Alte, geht das Wissen doch nicht verloren.
Quellen:
Togola, A., Diallo, D., Dembélé, S. et al. (2005): Ethnopharmacological survey of different uses of seven medicinal plants from Mali (West Africa) in the regions Doila, Kolokani and Siby. Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine, 1:7. Verfügbar unter: https://link.springer.com/article/10.1186/1746-4269-1-7
guteideen.org sollte ein interner Link sein. guteideen.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.
