Tragbares EKG für Dörfer ohne Arzt in Ruanda

Die Straße von Kigali nach Muhanga ist geteert, aber holprig. Es dauert drei Stunden, bis der Jeep das kleine Dorf erreicht, eingebettet zwischen grünen Hügeln und Bananenplantagen. Hier gibt es keinen Arzt, keine Krankenschwester, keine Apotheke. Wer krank wird, muss laufen – oder sterben. Doch an diesem Tag kommt Hilfe aus der Luft.

Ein Drohne surrt über den Hügel, langsamer werdend, sinkend. Sie setzt sanft auf einer freien Fläche neben der Dorfschule auf. In ihrem Bauch: ein kleiner, weißer Kasten, nicht größer als ein Smartphone. Es ist ein tragbares EKG-Gerät, entwickelt von der Ruandaise start-up HealthTech in Zusammenarbeit mit der University of Global Health Equity (Deutsche Welle 2021).

Ein Krankenhaus in der Hosentasche

Das Gerät heißt CardioPad und ist eine kleine Sensation. Es besteht aus einem handlichen Tablet und vier Elektroden, die an Brust und Gliedmaßen des Patienten geklebt werden. Innerhalb von zwei Minuten zeichnet es ein komplettes Elektrokardiogramm auf – und schickt die Daten per Satellit an ein Krankenhaus in der Hauptstadt. Dort sitzt ein Kardiologe, der die Aufnahmen analysiert und binnen Stunden eine Diagnose zurückschickt (Deutsche Welle 2021).

Für die Menschen in Muhanga ist das ein Quantensprung. Herzkrankheiten galten lange als Todesurteil, weil sie zu spät erkannt wurden. Wer Brustschmerzen hatte, nahm Schmerzmittel und hoffte das Beste. Wenn er Glück hatte, erreichte er rechtzeitig ein Krankenhaus. Meistens nicht.

„Früher sind Patienten gestorben, ohne dass wir wussten, warum“, sagt Jean Bosco, ein Dorfältester, der das Projekt von Anfang an begleitet hat. „Jetzt haben wir einen Namen für das, was uns umbringt. Und wir haben eine Chance.“

Ein Netzwerk fürs Herz

Das Projekt ist Teil einer größeren Initiative der ruandischen Regierung, die Gesundheitsversorgung im Land zu revolutionieren. Ruanda hat eines der ehrgeizigsten Drohnen-Programme Afrikas. Die US-Firma Zipline liefert seit 2016 Blutkonserven und Medikamente per Drohne in abgelegene Gebiete (Deutsche Welle 2021). Jetzt kommen die EKG-Geräte hinzu.

Die Drohnen starten von einem Hub in der Nähe von Kigali und fliegen vollautomatisch zu den Dörfern. Dort werden sie von geschulten Dorfhelfern in Empfang genommen, die das Gerät anlegen und die Daten übermitteln. Die Diagnose kommt per SMS zurück – und falls nötig, wird der Patient mit der nächsten Drohne ins Krankenhaus gebracht.

In den ersten zwölf Monaten wurden so über 500 Patienten untersucht. Bei 80 von ihnen wurden behandlungsbedürftige Herzerkrankungen festgestellt (Deutsche Welle 2021). Viele hätten ohne das Gerät nicht überlebt.

Eine dieser Patientinnen ist Marie, eine 62-jährige Bäuerin, die seit Jahren unter Atemnot litt. Sie dachte, es sei einfach das Alter. Das EKG zeigte eine schwere Herzschwäche. Sie bekam Medikamente, flog per Drohne zur Kontrolle nach Kigali. Heute geht es ihr besser. „Ich kann wieder auf dem Feld arbeiten“, sagt sie und lacht. „Die Drohne hat mir das Leben gerettet.“


Quellen:

Deutsche Welle (2021): Ruanda: Mit Drohnen gegen Herztod auf dem Land. URL: https://www.dw.com/de/ruanda-mit-drohnen-gegen-herztod-auf-dem-land/a-58164834

University of Global Health Equity (2021): CardioPad: Bringing Cardiac Care to Rural Rwanda. URL: https://ughe.org/cardiopad-bringing-cardiac-care-to-rural-rwanda/


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