Smarte Bewässerung per Handy für tunesische Olivenbauern

Der 20 Hektar große Acker von Sami Chabir in Amarat, im Südosten Tunesiens, sieht auf den ersten Blick aus wie eine staubige, ockerfarbene Landschaft. Doch mitten in dieser Trockenheit stehen Olivenbäume – mit sattgrünen, glänzenden Blättern, als hätten sie nichts von der Dürre bemerkt, die das Land seit Jahren plagt (Riffreporter 2025).

Chabirs Nachbarn schauen immer wieder mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis auf sein Feld. Sie sehen kein Wasser, keine Schläuche, keine Beregnung – und doch gedeihen die Bäume prächtig. Das Geheimnis liegt unter der Erde. Chabir hat ein System installiert, das Wasser dorthin bringt, wo es gebraucht wird: direkt an die Wurzeln (Riffreporter 2025).

Die Idee: Bewässerung aus der Antike, neu erfunden

Erfunden hat das System Bellachheb Chahbani, ein tunesischer Wissenschaftler. Als Kind auf der Insel Djerba sah er, wie sein Großvater Tonamphoren neben den Olivenbäumen vergrub und sie mit Wasser füllte. Die Amphoren gaben das Wasser nach und nach an die Erde ab – eine uralte Bewässerungstechnik, die in vielen Ländern der Region bekannt ist (Riffreporter 2025).

Chahbani entwickelte diese Idee weiter. Statt zerbrechlicher Amphoren erfand er den „vergrabenen Verteiler“ – ein modernes System aus Kunststoff, das unter der Erde installiert wird. Das Wasser wird in regelmäßigen, aber großen Abständen direkt an die Wurzeln abgegeben. Die Oberfläche bleibt trocken, nichts verdunstet (Riffreporter 2025).

Die Vorteile sind enorm. Im Vergleich zur oberirdischen Tröpfchenbewässerung spart das System bis zu zwei Drittel Wasser. Sami Chabirs Pumpe hat gerade einmal zwei PS. „Bei der Tröpfchenbewässerung reicht das für hundert Bäume. Bei uns für 5000“, erklärt er (Riffreporter 2025).

Warum Tunesien solche Ideen dringend braucht

Tunesien gehört zu den 25 Ländern der Welt mit den geringsten Trinkwasservorkommen. Mehr als drei Viertel davon fließen in die Landwirtschaft. Seit Jahren leiden die Menschen unter wiederkehrenden, langen Dürreperioden. Die Stauseen sind nur noch zu 30 Prozent gefüllt, das Grundwasser wird illegal übernutzt (Welthungerhilfe 2025).

Ahmed Ayed, ein Textilingenieur aus Tunis, hat vor fünf Jahren entschlossen, sein Leben zu ändern. Er kaufte ein Stück Land auf der Cap Bon-Halbinsel und will sich hier autark machen. Auch er nutzt das unterirdische Bewässerungssystem. Nicht alles hat auf Anhieb geklappt – seine Kiwi pflanzte er zu tief, die Wassermenge für die jungen Oliven berechnete er falsch. Aber er lernt dazu. „Vielleicht ein bisschen spät, erst mit Fünfzig zu verstehen, dass man so nicht weitermachen kann. Aber immerhin lernen es dann meine Kinder“ (Riffreporter 2025).

Mehr als nur Bewässerung

Das System hat noch einen weiteren Vorteil: Weil die Oberfläche trocken bleibt, wächst dort kein Unkraut. Chabir muss nicht jäten und keine Pestizide einsetzen. Und die Schläuche halten länger, weil nicht ständig Wasser durchfließt. „Bei über vierzig Grad im Schatten kommen im Sommer immer wilde Hunde oder Wildschweine, die Durst haben. Sie können das Wasser riechen und zerbeißen dann die Schläuche“, erzählt Chabir (Riffreporter 2025). Bei seinem unterirdischen System passiert das nicht.

Bald bekommt Chabir noch eine Photovoltaik-Anlage. Dann ist er ganz unabhängig – von Stromnetz, von steigenden Energiepreisen, von der unsicheren Wasserversorgung. Ein Modell, das Schule machen könnte in einem Land, das unter Wassermangel und Klimawandel leidet.


Hast du Lust, etwas Ähnliches selbst zu machen? Du kannst keine unterirdische Bewässerung für tausende Olivenbäume bauen, aber vielleicht eine einfache, clevere Bewässerung für deinen Balkon oder Garten – ganz ohne Strom und mit wenig Aufwand. Hier findest du die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

👉 [Zur Bauanleitung: Einfache Bewässerungssysteme für Balkon und Garten]


Quellen

Riffreporter (2025): Unter der Erde Wasser sparen und die Landwirtschaft retten. URL: https://www.riffreporter.de/de/international/afrika-tunesien-effiziente-bewaesserung-landwirtschaft-chahtech-vergrabener-verteiler

Welthungerhilfe (2025): Systembedingter Wasserstress in Tunesien. URL: https://www.welthungerhilfe.de/welternaehrung/rubriken/klima-ressourcen/systembedingter-wasserstress-in-tunesien


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