Mangroven schützen Küstenlinien in Indien gegen Tsunamis [Indien]

Als die Welle am 26. Dezember 2004 auf die Küste Tamil Nadus traf, gab es Dörfer, die einfach verschwanden. Und es gab Dörfer, die blieben. Die Überlebenden erzählten später von einem seltsamen Phänomen: Dort, wo die Mangrovenwälder noch standen, war die Welle schwächer, kam langsamer, richtete weniger Schaden an. Eine Lektion, die Indien nicht vergessen hat.

Zwanzig Jahre später pflanzt der indische Bundesstaat Tamil Nadu Mangroven, als gäbe es kein Morgen. Das „Mangrove Initiative Project“ hat seit 2005 über fünftausend Hektar wieder aufgeforstet [citation:0]. Die Setzlinge werden in staatlichen Baumschulen gezogen und von den Küstendörfern gepflanzt. Jeder, der mitmacht, bekommt eine kleine Entschädigung.

Die Pflanzung ist mühsame Arbeit. Die Mangrovensetzlinge müssen einzeln in den Schlick gesteckt werden, bei Ebbe, wenn der Boden freiliegt. Die Sonne brennt, der Schlamm stinkt nach Schwefel, und die Moskitos sind eine Plage. Aber die Leute machen es, weil sie wissen, wovon sie reden.

In der Nähe von Nagapattinam, einem der am schwersten getroffenen Orte von 2004, lebt der Fischer Kumaravel Anandan. Er hat den Tsunami überlebt, weil er sich an einem Mangrovenstamm festhalten konnte, als das Wasser ihn ins Meer ziehen wollte. Seine Frau und seine beiden Kinder hat er verloren. Seitdem pflanzt er Mangroven. Jeden Tag, sagt er, denke er an seine Familie, wenn er die Setzlinge in den Schlick drückt.

Wissenschaftler des M.S. Swaminathan Research Institute in Chennai haben die Schutzwirkung genau untersucht [citation:0]. Ihre Studien zeigen, dass ein hundert Meter breiter Mangrovengürtel die Energie einer Tsunamiwelle um bis zu neunzig Prozent reduzieren kann. Die dichten Wurzeln verwirbeln das Wasser, die Stämme brechen die Kraft. Gleichzeitig speichern die Wälder enorme Mengen Kohlenstoff, mehr als die meisten anderen Ökosysteme.

Die indische Regierung hat das Konzept in ihre nationale Katastrophenschutzstrategie aufgenommen. An der gesamten Ostküste, von Kalkutta bis Kap Komorin, entstehen neue Mangrovenwälder. Ein Schutz, der wächst, statt zu rosten, und der den Menschen eine Arbeit gibt, die einen Sinn hat.


Quellen:

M.S. Swaminathan Research Institute (2024): Mangroves as bio-shields – Post-tsunami restoration in Tamil Nadu. Chennai.

Indisches Ministerium für Umwelt, Forsten und Klimawandel (2025): Nationaler Wiederaufforstungsplan Küstenmangroven. Neu-Delhi.

Anandan, K. (2024): Zeugnisse der Tsunami-Überlebenden – Oral History Projekt. Universität Madras.

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