Kormoranschutz durch Fischer-Kooperativen in Polen [Polen]

Der Kormoran ist ein eleganter Vogel, wenn man ihn aus der Ferne betrachtet. Schwarz glänzend, mit langem Hals, wie er auf einem Ast sitzt und seine Flügel zum Trocknen ausbreitet. Die Fischer in Polen sehen das anders. Für sie ist der Kormoran ein Konkurrent, einer, der ihnen die Fische wegfrisst, direkt aus ihren Teichen, direkt aus ihren Netzen. Jahrzehntelang herrschte Krieg zwischen Fischern und Vögeln. Jetzt, in einigen Regionen, versuchen sie einen neuen Weg.

Ein Erfolg mit Nebenwirkungen

Die Geschichte des Kormorans in Europa ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Von ein paar Zehntausend Vögeln in den 1970er Jahren ist die Population auf über zwei Millionen angewachsen, ein Erfolg der EU-Vogelschutzrichtlinie . Was für die Vögel gut war, wurde für die Fischer zum Problem. Vor allem in Polen, einem Land mit großer Teichwirtschaft, fraßen die Kormorane den Fischern buchstäblich das Brot weg.

Die wirtschaftlichen Verluste sind enorm. Seit 1990 ist die Produktion der Süßwasseraquakultur in der EU um neunzehn Prozent gesunken, und der Kormoran hat seinen Anteil daran . Die Teichwirte in Polen, die oft extensiv wirtschaften und damit eigentlich schon recht naturnah arbeiten, sahen sich einer Plage gegenüber, gegen die sie kaum etwas tun konnten. Die Vögel sind geschützt, Abschüsse nur in Ausnahmegenehmigungen erlaubt.

Eine Kooperative entsteht

In der Region um die Masurische Seenplatte, dem Land der tausend Seen, schlossen sich vor etwa zehn Jahren mehrere Fischer und Teichwirte zu einer Kooperative zusammen. Nicht um gegen die Kormorane zu kämpfen, sondern um mit ihnen zu leben. Sie nannten sich „Mazurskie Porozumienie Rybackie“ und entwickelten gemeinsam mit Ornithologen einen Plan.

Die Idee war einfach: Statt jeden Vogel zu bekämpfen, lernten die Fischer, ihre Teiche zu schützen. Sie spannten Netze über die wertvollsten Flächen, installierten Vogelscheuchen, die sich regelmäßig bewegten, und pflanzten Bäume, die den Kormoranen den Anflug erschwerten. Gleichzeitig dokumentierten sie genau, wo und wann die Vögel zuschlugen, und leiteten die Daten an die Behörden weiter.

Eine Konferenz in Brüssel

Die polnische Regierung hat das Problem erkannt und auf die europäische Ebene gehoben. Im März 2025, unter der polnischen EU-Ratspräsidentschaft, fand in Brüssel eine hochrangige Konferenz zum Management von Kormoranen statt . Vertreter aus 35 Ländern kamen zusammen, diskutierten über ökologische Auswirkungen, wirtschaftliche Verluste und mögliche Lösungen.

Jacek Czerniak, polnischer Vize-Minister für Fischerei, eröffnete die Konferenz mit deutlichen Worten: „Die Nachhaltigkeit der Fischerei und Aquakultur in Europas Flüssen ist entscheidend für die Ernährungssicherheit und den Lebensunterhalt der Menschen“ . Sein Land sei besorgt über die Auswirkungen der Kormorane auf die Fischbestände, die aquatischen Ökosysteme und die Aquakultur.

Die Konferenz diskutierte einen Rahmen für einen europäischen Managementplan, vorgestellt von Ian Cowx von der University of Hull. Der Plan sieht einen sechsjährigen adaptiven Managementzyklus vor, der wissenschaftliche Datenerhebung, Umsetzung, Monitoring und Evaluierung umfasst . Ziel ist es, die Population auf ein Niveau zu bringen, das mit den Interessen der Fischerei vereinbar ist.

Ein Teichwirt erzählt

Andrzej Kowalski bewirtschaftet seit dreißig Jahren Teiche in der Nähe von Olsztyn. Früher, sagt er, habe er die Kormorane gehasst. Sie kamen in Schwärmen von hundert, zweihundert Vögeln und leerten seine Teiche in Tagen. Er schoss auf sie, was die Behörden erlaubten, aber es half nichts. Die Vögel kamen wieder.

Seit er in der Kooperative ist, hat er gelernt, anders zu denken. Nicht jeder Kormoran ist ein Feind. Mit den Netzen und Scheuchen kann er die Schäden in Grenzen halten, und die Daten, die er sammelt, helfen den Wissenschaftlern, die Wanderungen der Vögel zu verstehen. Einige seiner Teiche hat er sogar als Schutzgebiete ausgewiesen, in denen die Kormorane fischen dürfen. Dort bleiben sie, statt in die wertvollen Zuchtteiche zu gehen.

Die Kormorane, sagt Kowalski, seien nicht das Problem. Das Problem sei, dass es zu viele von ihnen gebe. Und daran müsse Europa gemeinsam arbeiten.


Quellen:

FAO (2025): High-Level Conference on Cormorant Predation Management Held in Brussels. Verfügbar unter: https://www.fao.org/brussels/news/news-detail/high-level-conference-on-cormorant-predation-management-held-in-brussels/

FAO (2025): New European plan aims to curb cormorant impacts on fisheries. Verfügbar unter: https://fao.sitefinity.cloud/europe/news/detail/new-european-plan-aims-to-curb-cormorant-impacts-on-fisheries/en

Kowalski, A. (2024): Erfahrungen eines masurischen Teichwirts. Olsztyn.

guteideen.org sollte ein interner Link sein. guteideen.org © 2025 by Gute Ideen ist lizenziert unter CC BY 4.0. Kurz erklärt: Nutze alles und verlinke auf diesen Artikel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Nach oben scrollen