KI erkennt Tuberkulose auf Röntgenbildern in Pakistan

Die Gegend um die Kohleminen in der Provinz Punjab ist staubig, laut und gefährlich. Hier arbeiten Männer unter Tage, oft ohne ausreichenden Schutz, ihre Lungen jeden Tag der Kohle ausgesetzt. Tuberkulose ist in diesen Gemeinden keine Seltenheit – doch der Weg zur Diagnose war bisher lang. Bis vor Kurzem mussten die Männer stundenlang reisen, um ein Krankenhaus mit Röntgengerät zu erreichen. Viele taten es nicht. Sie arbeiteten weiter, husteten, steckten ihre Familien an.

Seit August 2023 kommt die Hilfe direkt zu ihnen. Die pakistanische Nichtregierungsorganisation Dopasi Foundation hat ihre mobilen Screening-Teams mit einer neuen Technologie ausgestattet: einem ultra-portablen Röntgengerät, das nur 30 Kilogramm wiegt und mit Batterien betrieben wird – kombiniert mit einer künstlichen Intelligenz, die die Aufnahmen in Sekundenschnelle analysiert (Infervision 2023).

Die unsichtbaren Patienten

Pakistan trägt eine der höchsten Tuberkulose-Lasten der Welt – Platz fünf global (Infervision 2023). Doch über 179.000 Menschen mit Tuberkulose blieben 2022 undiagnostiziert, weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hatten (Infervision 2023). Besonders betroffen sind gefährdete Gruppen: Bergleute, Gefangene, Flüchtlinge, Transgender-Personen – und sogar Gesundheitspersonal, das bei Screenings oft übersehen wird.

„Diese Populationen waren bisher von traditionellen Gesundheitsdiensten unterversorgt“, erklärt ein Sprecher der Dopasi Foundation. Die Gründe sind vielfältig: abgelegene Wohnorte, fehlende Transportmöglichkeiten, Sprachbarrieren, Diskriminierung. Hinzu kommt Pakistans anspruchsvolle Geografie – bergige Regionen, schlechte Straßen, unzuverlässige Stromversorgung.

Die mobile Lösung musste all diese Hindernisse überwinden. Das gefundene System besteht aus zwei Komponenten: einem ultra-portablen Röntgengerät des chinesischen Herstellers Sinopharm und der KI-Software InferRead DR Chest von Infervision. Beide sind nahtlos integriert und arbeiten auch offline – ein entscheidender Vorteil in Gebieten ohne Internetzugang (Infervision 2023).

Wie die mobile Diagnostik funktioniert

Die Teams der Dopasi Foundation reisen mit dem kompakten System in neun Distrikte der Provinzen Punjab, Khyber Pakhtunkhwa und Sindh. Sie erreichen ihre Ziele mit Seilbahnen, auf holprigen Pisten, manchmal zu Fuß. Vor Ort werden die Geräte aufgebaut – oft in Minen, Gefängnissen oder abgelegenen Dörfern.

Jeder Teilnehmer erhält eine Röntgenaufnahme der Brust. Die KI analysiert das Bild in weniger als 30 Sekunden und markiert mögliche Tuberkulose-Anzeichen mit farblichen Hinweisen. Die Entscheidung fällt sofort: Wer auffällige Befunde zeigt, wird zur weiteren Diagnostik und Behandlung überwiesen (Infervision 2023).

Die Technologie ist auf die Bedingungen vor Ort zugeschnitten. Mit einer einzigen Batterieladung können etwa 70 Röntgenaufnahmen gemacht werden – genug für einen ganzen Einsatztag ohne Stromnetz. Die KI ist direkt auf dem Laptop des Röntgengeräts vorinstalliert, sodass keine Datenverbindung nötig ist.

Seit dem Start wurden über 8.000 Menschen gescreent (Infervision 2023). Für viele von ihnen war es das erste Mal, dass sie überhaupt Zugang zu einer Tuberkulose-Diagnostik hatten. Besonders bemerkenswert: Die Initiative ist die einzige in Pakistan, die gezielt Gesundheitspersonal auf Tuberkulose untersucht – eine Gruppe, die selbst ein hohes Ansteckungsrisiko trägt.

Ein Modell für die Zukunft

Der Erfolg der mobilen Screenings hat die beteiligten Organisationen ermutigt. Die Dopasi Foundation plant, die Kampagnen weiter auszubauen und die KI-Funktionalität zu erweitern. Künftig soll die Software nicht nur Tuberkulose, sondern auch andere Lungenerkrankungen erkennen können – ein wichtiger Schritt für die allgemeine Atemwegsgesundheit in unterversorgten Regionen (Infervision 2023).

Die Integration von KI in die Tuberkulose-Bekämpfung zeigt, wie Technologie helfen kann, jahrzehntealte Probleme zu lösen. Wo früher Fachkräftemangel und fehlende Infrastruktur die Diagnostik verhinderten, übernehmen heute Algorithmen die Erstanalyse – schnell, präzise und unermüdlich. Für die Männer in den Kohleminen, die Frauen in den Flüchtlingslagern und die Kinder in den Bergdörfern bedeutet das eine einfache Wahrheit: Sie müssen nicht mehr warten, bis die Hilfe kommt. Sie kommt jetzt zu ihnen.


Quellen:

Infervision & Dopasi Foundation (2023): Integrating AI and Ultra-Portability Tools to Aid TB Screening in Pakistan. URL: https://global.infervision.com/blog/accelerating-tb-detection-in-key-and-vulnerable-populations-in-pakistan-with-new-artificial-intelligence-and-ultra-portable-chest-x-ray-tools


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