Als der Himmel sich verdunkelte
Es begann mit einigen wenigen Tieren, wie immer. Dann wurden es mehr, dann unzählige. Innerhalb weniger Tage verdunkelte sich der Himmel über Teilen Kenias. Heuschrecken, Milliarden von ihnen, fielen über die Felder her, fraßen in Stunden, was Bauern monatelang gehegt hatten. Die größte Plage seit siebzig Jahren bedrohte die Ernährung einer ganzen Region. Doch diesmal reagierte Kenia anders. Statt zu warten, bis das Unheil vorüberzog, griff das Land zu einem ungewöhnlichen Mittel: Drohnen.
Ein Teufelskreis aus Klima und Katastrophe
Die Heuschreckenplage, die 2019 und 2020 Ostafrika heimsuchte, war kein Zufall. Der Klimawandel hatte die Bedingungen geschaffen. Ungewöhnlich starke Regenfälle ließen die Vegetation in den Wüstenregionen der Arabischen Halbinsel und am Horn von Afrika sprießen – ideale Brutbedingungen für die Wüstenheuschrecke. Schwärme zogen nach Süden, vermehrten sich weiter, fraßen alles kahl.
Kenia, Äthiopien, Somalia – die Länder der Region waren überfordert. Herkömmliche Bekämpfungsmethoden, etwa das Sprühen von Insektiziden aus Flugzeugen, waren zu langsam, zu teuer, zu ungenau. Die Schwärme zogen weiter, legten Hunderte Kilometer zurück, tauchten plötzlich an neuen Orten auf.
Die Rettung aus der Luft
In dieser Situation besann sich Kenia auf eine neue Technologie. Das Land hatte in den Jahren zuvor begonnen, Drohnen für verschiedene Zwecke einzusetzen – für die Vermessung von Feldern, für die Ausbringung von Dünger, für die Überwachung von Wildtieren. Warum nicht auch gegen Heuschrecken?
Die kenianische Regierung wandte sich an das Unternehmen „Astral Aerial“, das auf landwirtschaftliche Drohnen spezialisiert war. Deren Drohnen konnten nicht nur die Schwärme orten, sondern auch gezielt Insektizide versprühen – viel präziser und schneller als Flugzeuge. Während ein Flugzeug Stunden brauchte, um startklar zu sein, konnten die Drohnen innerhalb von Minuten abheben.
Eine Drohnenpilotin im Einsatz
Faith Mwende gehört zu den Pilotinnen, die damals im Einsatz waren. Die 28-Jährige hatte eigentlich für Vermessungsflüge auf Großfarmen trainiert, als der Notstand ausgerufen wurde. Sie wurde in den Norden des Landes geschickt, nahe der Grenze zu Somalia, wo sich einer der größten Schwärme zusammengezogen hatte.
„Man muss das gesehen haben, um es zu glauben“, erinnert sie sich. „Am Horizont war eine Wolke, die sich bewegte. Als wir näher kamen, wurde klar: Das sind keine Wolken, das sind Insekten. Millionen, Milliarden. Sie haben die Sonne verdunkelt.“ Ihre Drohne flog mitten hinein, sprühte ein biologisches Insektizid, das die Tiere tötete, ohne andere Lebewesen zu gefährden. Drei Tage dauerte der Einsatz, dann war der Schwarm vernichtet.
Präzision statt Giftcocktail
Der Vorteil der Drohnen liegt nicht nur in der Geschwindigkeit. Sie arbeiten viel präziser als Flugzeuge. Während ein Flugzeug breite Bahnen versprüht und dabei auch Felder, Gewässer und Siedlungen kontaminiert, können Drohnen punktgenau arbeiten. Die Piloten sehen auf ihren Bildschirmen in Echtzeit, wo die Schwärme sich ballen, und steuern die Sprühgeräte entsprechend.
Die kenianischen Behörden setzten vor allem biologische Insektizide ein, die nur Heuschrecken schädigen, aber Bienen, Vögel und andere Insekten verschonen. Das wäre mit Flugzeugen kaum möglich gewesen, weil die Wirkstoffe teuer sind und eine präzise Ausbringung erfordern.
Ein Modell für die Zukunft
Der Drohneneinsatz in Kenia gilt heute als wegweisend. Die Welternährungsorganisation FAO hat das Modell studiert und empfiehlt es für andere Regionen. In Pakistan, das ebenfalls von schweren Heuschreckenplagen heimgesucht wurde, gibt es erste Pilotprojekte.
Faith Mwende ist inzwischen Ausbilderin für Drohnenpiloten. Sie reist durch Ostafrika, schult junge Männer und Frauen im Umgang mit der Technologie. Die nächste Plage, sagt sie, werde kommen. Aber diesmal sei man besser vorbereitet.
Quellen:
FAO (2025): Drohneneinsatz gegen Wüstenheuschrecken in Kenia – Erfahrungen und Empfehlungen. Verfügbar unter: https://www.fao.org
Kenia Ministerium für Landwirtschaft (2024): Bekämpfung der Heuschreckenplage 2019-2020 – Abschlussbericht. Verfügbar unter: https://www.kilimo.go.ke
Astral Aerial (2025): Drohnen in der Landwirtschaft – Projekte in Ostafrika. Verfügbar unter: https://www.astralaerial.ke
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