Die Teiche der südböhmischen Landschaft liegen da wie Perlen einer Kette, eingefasst von Wäldern und Wiesen, der Himmel spiegelt sich in ihrem dunklen Wasser. Seit Jahrhunderten werden sie bewirtschaftet, Karpfen gezüchtet, im Herbst abgefischt. Aber in den letzten Jahrzehnten haben die Teiche eine neue Aufgabe bekommen. Sie sind zu Feuchtbiotopen geworden, zu Rastplätzen für Zugvögel, zu Refugien für seltene Amphibien.
Ein System aus dem Mittelalter
Die Teichwirtschaft in Südböhmen hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter legten die Mönche die ersten Gewässer an, stauten Bäche, schufen künstliche Seen, in denen sie Fische züchteten. Das Fleisch war begehrt, besonders in der Fastenzeit, wenn die Kirche den Genuss von Fleisch verbot. Über die Jahrhunderte entstand so eine Kulturlandschaft, die ihresgleichen sucht: Tausende Teiche, verbunden durch ein ausgeklügeltes System von Kanälen und Gräben.
Die Fischerei brachte Wohlstand, aber sie hinterließ auch Spuren. Die Teiche wurden intensiv genutzt, mit Kalk behandelt, regelmäßig abgelassen. Die Natur musste zurückstecken.
Die Wiederentdeckung der Artenvielfalt
In den 1990er Jahren begann ein Umdenken. Biologen der Südböhmischen Universität in Budweis untersuchten die Teiche und fanden heraus, dass sie längst mehr waren als nur Fischbecken. In den flachen Uferzonen, die nicht bewirtschaftet wurden, siedelten sich seltene Pflanzen an. In Schilfgürteln nisteten Rohrweihen und Rohrdommeln. Frösche, Molche, Libellen fanden ideale Bedingungen.
Die Forscher schlugen vor, die Teiche nicht mehr nur als Produktionsstätten zu betrachten, sondern als Teil eines ökologischen Netzwerks. Die Fischereibetriebe sollten entschädigt werden, wenn sie bestimmte Flächen aus der Nutzung nahmen. Der Staat stellte Geld bereit, die EU förderte das Programm.
Ein Teichwirt erzählt
Josef Novák bewirtschaftet seit vierzig Jahren den Rožmberk-Teich, den größten in Tschechien. Früher, erzählt er, sei jeder Quadratzentimeter genutzt worden. Die Ufer wurden gemäht, das Schilf geschnitten, die Teiche mehrmals im Jahr gekalkt. Dann kamen die Naturschützer und erklärten ihm, dass das alles falsch sei.
Am Anfang, sagt Novák, habe er sie für Spinner gehalten. Aber er ließ sich auf ein Experiment ein, ließ einen Teil der Ufer wild wachsen, verzichtete auf Kalk in einer Bucht. Schon im nächsten Jahr kamen die Vögel. Reiher, Löffler, sogar Seeadler. Die Fischer in der Gegend spotteten, er werde bald keine Fische mehr haben. Aber das Gegenteil trat ein. Die Fische in der wilden Bucht waren gesünder, wuchsen schneller, hatten weniger Krankheiten.
Heute ist Novák überzeugt. Er hat weitere Flächen aus der Nutzung genommen, lässt das Schilf stehen, pflanzt Bäume an den Ufern. Die Besucher kommen, um die Vögel zu beobachten, und manchmal fragt ihn einer, wie man das macht, so einen Teich. Novák lacht dann und sagt: „Man muss ihn einfach in Ruhe lassen.“
Quellen:
Südböhmische Universität Budweis (2025): Fischteiche als Feuchtbiotope – Ökologische Bewertung und Managementempfehlungen. Budweis.
Novák, J. (2024): Vierzig Jahre am Rožmberk-Teich – Erfahrungen eines Teichwirts. Třeboň.
Tschechisches Umweltministerium (2025): Förderprogramm für naturnahe Teichbewirtschaftung. Prag.
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