Feuchtgebiets-Renaturierung schützt Vogelzugstraßen in Ungarn [Ungarn]

Die Puszta ist weit, flach, endlos. Im Osten Ungarns, zwischen Donau und Theiß, erstreckt sich eine Landschaft, die ihresgleichen sucht. Im Frühling und Herbst füllt sie sich mit Vögeln, Millionen von ihnen, auf dem Weg von Afrika nach Nordeuropa und zurück. Sie rasten hier, fressen sich Fett an für die Weiterreise, ruhen sich aus. Die Fischteiche von Hortobágy sind einer der wichtigsten Rastplätze auf dieser Reise.

Ein Juwel im Herzen der Puszta

Die Teiche von Hortobágy sind keine Naturseen. Sie wurden im 20. Jahrhundert angelegt, für die Fischzucht, mit Kanälen und Dämmen, mit Abschnitten und Zuflüssen. Aber die Natur hat sie sich längst zu eigen gemacht. Auf 1850 Hektar erstreckt sich heute eines der bedeutendsten Feuchtgebiete Mitteleuropas, geschützt nach der Ramsar-Konvention, Teil des Natura-2000-Netzwerks .

Jedes Jahr rasten hier Zehntausende Zugvögel. Kraniche, Gänse, Enten, Limikolen. Im Herbst, wenn die Kraniche aus Skandinavien kommen, versammeln sich über fünfzigtausend von ihnen auf den Feldern und Teichen. Ein Naturschauspiel, das Besucher aus ganz Europa anzieht.

Die Teiche leiden

Aber die Teiche haben ein Problem. Die Infrastruktur ist alt, die Kanäle sind verschlammt, die Wasserregulierung funktioniert nicht mehr richtig. Der Füllkanal, der die Teiche speist, wurde vor über hundert Jahren gebaut und ist in die Jahre gekommen . Mal ist zu wenig Wasser da, mal zu viel, mal das falsche zur falschen Zeit.

Die Vögel leiden darunter. Wenn die Teiche im Herbst zu früh trockenfallen, finden die Kraniche keine Schlafplätze. Wenn sie im Frühjahr zu spät gefüllt werden, verpassen die Enten die beste Zeit für die Brut. Die Teichwirte, die immer noch Fische züchten, haben ihre eigenen Sorgen. Sie brauchen Wasser für ihre Karpfen, aber auch sie können nicht steuern, was nicht da ist.

Eine Renovierung für eine Million Euro

2025 hat die ungarische Regierung ein Projekt gestartet, das die Teiche retten soll. Mit EU-Mitteln in Höhe von 650 Millionen Forint, etwa 1,6 Millionen Euro, wird die gesamte Wasserinfrastruktur erneuert . Der Füllkanal wird überholt, der Hauptdamm neu gebaut, Überwinterungsbecken für die Fische werden angelegt.

Das Ziel ist es, die Teiche dauerhaft zu sichern, sowohl für die Fischzucht als auch für die Vögel. Die Wasserstände sollen künftig besser gesteuert werden können, damit im Herbst genug Wasser da ist für die Kraniche und im Frühjahr für die Enten. Die extensive Aquakultur, die hier seit Jahrzehnten betrieben wird, soll erhalten bleiben.

Ein Vogelwart erzählt

Gábor Kovács arbeitet seit zwanzig Jahren als Vogelwart im Nationalpark Hortobágy. Er kennt jeden Teich, jede Insel, jeden Brutplatz. Früher, sagt er, habe er oft hilflos zugesehen, wie die Teiche trockenfielen und die Vögel weiterziehen mussten. Die Zugvögel sind auf diese Rastplätze angewiesen. Wenn einer fehlt, kann das ganze Populationen gefährden.

Jetzt, mit der Renovierung, sieht er Hoffnung. Die neuen Schleusen werden es erlauben, das Wasser gezielter zu halten. Die Vögel werden wieder sichere Schlafplätze haben, egal wie trocken der Sommer war. Kovács zeigt auf einen Schwarm Kraniche, der am Horizont auftaucht, langsam näher kommt, sich auf einem der Teiche niederlässt. „Die hier“, sagt er, „werden es gut haben.“


Quellen:

Budapester Zeitung (2025): Feuchtgebiete bewahren – Fischteiche im Nationalpark Hortobágy werden erneuert. Verfügbar unter: https://www.budapester.hu/ungarn/feuchtgebiete-bewahren/

Nationalpark Hortobágy (2025): Renaturierungsprojekt an den Fischteichen. Hortobágy.

Kovács, G. (2024): Zwanzig Jahre Vogelwart in der Puszta. Hortobágy.

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