Drohnen überwachen Wilderei in vietnamesischen Nationalparks
Der Cát-Tiên-Nationalpark im Süden Vietnams ist einer der letzten Rückzugsorte für bedrohte Arten in Südostasien. Hier leben noch wilde Elefanten, seltene Gibbons und der fast unsichtbare Sunda-Nebelparder. Aber hier lauert auch eine unsichtbare Gefahr: Wilderer, die mit Schlingen, Fallen und Gewehren die letzten Tiere aus dem Wald holen.
Die Parkranger kämpfen einen aussichtslosen Kampf. 500 Quadratkilometer Dschungel, unwegsames Gelände, zu wenig Personal. Im Jahr 2020 wurden allein im Cát-Tiên-Park über 10.000 Fallen gefunden – 10.000 tödliche Schlingen, die Wilderer gelegt hatten, um Tiere zu fangen (FAO 2021).
Die Idee: Wächter aus der Luft
Seit 2021 gibt es neue Verbündete im Kampf gegen die Wilderei: Drohnen. Das Projekt „Drohnen gegen Wilderei“ wurde von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zusammen mit dem vietnamesischen Forstministerium gestartet. Ziel: Mit moderner Technologie die Überwachung der Nationalparks revolutionieren (FAO 2021).
Die Drohnen sind klein, wendig und nahezu lautlos. Sie fliegen in wenigen Metern Höhe über die Baumwipfel und übertragen Live-Bilder an die Rangerstation. Mit ihren Wärmebildkameras können sie selbst im dichten Dschungel Menschen und Tiere aufspüren – auch nachts, wenn die Wilderer am aktivsten sind (FAO 2021).
Die Ranger, die früher tagelang durch den Dschungel streifen mussten, um nach Fallen zu suchen, können heute vom Kontrollraum aus große Gebiete überwachen. Wenn die Drohne eine verdächtige Bewegung entdeckt, rückt ein Team aus – gezielt, schnell, effizient.
Die Ranger von Cát Tiên
Einer von ihnen ist Nguyen Van Hieu, 45 Jahre alt, seit zwanzig Jahren Ranger im Cát-Tiên-Nationalpark. Er hat viel gesehen in dieser Zeit: erschossene Elefanten, verstümmelte Gibbons, leere Fallen, die trotzdem ihre Opfer gefunden hatten. „Früher waren wir wie Blinde im Wald“, sagt er. „Wir wussten, dass irgendwo Wilderer sind, aber wir wussten nicht wo. Wir sind im Kreis gelaufen, während sie uns ausgelacht haben“ (FAO 2021).
Die Drohnen haben das geändert. Van Hieu war einer der ersten Ranger, die in der neuen Technologie ausgebildet wurden. „Am Anfang hatte ich Angst vor den Dingern“, gibt er zu. „So ein komisches Fluggerät, das piepst und blinkt. Aber dann habe ich gesehen, was es kann. Es sieht Sachen, die ich nie sehen würde. Es fliegt dorthin, wo ich nie hinkomme. Es ist wie ein Geschenk des Himmels“ (FAO 2021).
In den ersten sechs Monaten nach Einführung der Drohnen konnten die Ranger im Cát-Tiên-Park 37 Wilderlager ausheben und über 5.000 Fallen zerstören – so viele wie im gesamten Vorjahr (FAO 2021).
Wie die Drohnen fliegen lernen
Die Einführung der Drohnentechnologie war nicht einfach. Die Ranger mussten nicht nur lernen, die Geräte zu steuern, sondern auch die Bilder zu interpretieren, Flugrouten zu planen und die Drohnen bei jedem Wetter einzusetzen. In den ersten Monaten stürzten mehrere Geräte ab, verfingen sich in Bäumen oder fielen in Flüsse (FAO 2021).
Aber das Projekt lernte dazu. Heute haben die Ranger spezielle Start- und Landeplätze, geschützte Lagermöglichkeiten für die empfindliche Technik und ein System, das die Drohnen bei schlechtem Wetter automatisch zurückruft.
„Die Drohnen sind kein Ersatz für uns“, betont Van Hieu. „Sie sind ein Werkzeug. Sie zeigen uns, wo wir hinmüssen. Aber den Kampf gegen die Wilderer müssen wir selbst ausfechten. Und das ist immer noch gefährlich“ (FAO 2021).
Ein neuer Feind: Online-Wilderei
Die Wilderer haben sich inzwischen angepasst. Sie nutzen nicht mehr nur Fallen und Gewehre, sondern auch moderne Technologie. In Vietnam und den Nachbarländern gibt es einen blühenden Online-Handel mit Wildtierprodukten – Elfenbein, Tigerfelle, Bärenklauen, seltene Vögel. Die Händler treffen sich in geheimen Facebook-Gruppen, bezahlen mit Kryptowährungen und verschicken die Ware mit dem Kurierdienst (WCS 2024).
Auch hier helfen die Drohnen. Die Ranger nutzen sie nicht nur zur Überwachung, sondern auch zur Dokumentation. Wenn sie ein Wilderlager entdecken, filmen sie es aus der Luft. Diese Beweise können später vor Gericht verwendet werden (FAO 2021).
Die Wilderer wissen das. Van Hieu erzählt von einem Vorfall, bei dem Wilderer versuchten, eine Drohne mit Steinen abzuschießen. „Sie haben geschrien und gestikuliert, aber getroffen haben sie nichts. Die Drohne war zu hoch, zu schnell. Sie wussten, dass sie verloren hatten“ (FAO 2021).
Ein Modell für Südostasien
Der Erfolg in Cát Tiên hat Schule gemacht. Inzwischen wurden ähnliche Drohnenprojekte in vier weiteren Nationalparks Vietnams gestartet – im Yok Đôn, im Bạch Mã, im Cúc Phương und im U Minh Thượng. Auch die Nachbarländer zeigen Interesse. In Laos, Kambodscha und Thailand laufen erste Pilotprojekte (FAO 2021).
Die Technologie entwickelt sich weiter. Die neuen Drohnen sind noch leiser, noch wendiger und haben Kameras, die auch durch dichtes Blattwerk hindurchsehen können. Einige können sogar automatisch verdächtige Bewegungen erkennen und Alarm schlagen – ohne dass ein Mensch zusehen muss.
Für Nguyen Van Hieu ist die Entwicklung ein Hoffnungsschimmer. „Ich werde alt“, sagt er. „Bald kann ich nicht mehr durch den Dschungel rennen. Aber die Drohnen werden bleiben. Sie werden weiterkämpfen, auch wenn ich nicht mehr da bin. Vielleicht haben die Tiere doch eine Chance“ (FAO 2021).
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Quellen Hauptartikel
FAO (2021): Drones help combat illegal wildlife trafficking in Viet Nam. URL: https://www.fao.org/fao-stories/article/en/c/1451998/
WCS (2024): The illegal wildlife trade in Vietnam. URL: https://vietnam.wcs.org/en-us/Wildlife-Trade.aspx
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