Kröten-Tunnel unter Straßen retten Amphibien in Deutschland [Deutschland]

Wenn der Untergrund zur Rettungszone wird

In Deutschland sterben jedes Jahr Millionen Frösche, Kröten und Molche auf den Straßen – überfahren auf dem Weg zu ihren Laichgewässern. Doch immer mehr Kommunen haben eine einfache und effektive Lösung gefunden: Tunnel unter den Straßen, die den Tieren eine sichere Passage ermöglichen. Was in den 1980er Jahren als lokale Initiative begann, ist heute bundesweite Praxis und rettet unzähligen Amphibien das Leben.

Das Problem: Die tödliche Wanderung

Jedes Jahr im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen und die Nächte feucht werden, machen sich Kröten, Frösche und Molche auf den Weg. Sie verlassen ihre Winterquartiere in Wäldern und Wiesen und wandern zu den Gewässern, in denen sie selbst geboren wurden, um dort zu laichen. Dabei müssen sie oft Straßen überqueren – für viele eine tödliche Falle.

Schätzungen des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) gehen von mehreren Millionen Amphibien aus, die jedes Jahr auf deutschen Straßen sterben. Besonders betroffen sind Erdkröten, die oft in großen Gruppen wandern und dabei ganze Populationen verlieren können. In einigen Regionen sind die Bestände dadurch um mehr als die Hälfte eingebrochen.

Die Lösung: Tunnel unter der Fahrbahn

Die Idee ist einfach: Wo die Kröten wandern, werden unter der Straße Röhren verlegt, durch die sie sicher auf die andere Seite gelangen. Kleine Leitsysteme aus Beton oder Kunststoff führen die Tiere zu den Tunnelöffnungen und verhindern, dass sie auf die Fahrbahn klettern.

Die Tunnel müssen bestimmte Anforderungen erfüllen: Sie dürfen nicht zu lang sein, müssen ausreichend Licht am Ende bieten und dürfen keine Hindernisse enthalten. Idealerweise werden sie mit einem durchlässigen Boden ausgestattet, der Feuchtigkeit hält – Amphibien mögen es nicht zu trocken.

Entstehungsgeschichte: Vom ersten Versuch zur Standardlösung

Der erste Krötentunnel Deutschlands wurde 1983 in Berlin gebaut. Damals noch ein Experiment, begleitet von Zoologen der Freien Universität. Die ersten Ergebnisse waren ermutigend: Die Tiere nahmen die Röhren an, und die Zahl der überfahrenen Kröten sank dramatisch.

In den folgenden Jahrzehnten wurde das System immer weiter verbessert. Man lernte, die Tunnel an den richtigen Stellen zu platzieren – dort, wo die Wanderungsrouten seit Jahrhunderten verlaufen. Man optimierte die Leitsysteme und die Durchmesser der Röhren. Heute gibt es deutschlandweit mehrere tausend Krötentunnel, gebaut von Kommunen, Straßenbauämtern und Naturschutzverbänden.

Erfolgreiche Umsetzung: Wo die Tunnel Leben retten

Besonders erfolgreich ist das System am Beispiel der „Krötenwanderung am Steinhuder Meer“ in Niedersachsen. Hier kreuzen tausende Erdkröten eine vielbefahrene Landstraße. Mehrere Tunnel wurden gebaut, kombiniert mit kilometerlangen Leiteinrichtungen. Inzwischen kommen über 90 Prozent der Tiere sicher ans Ziel – vorher wurden hier jedes Jahr zehntausende überfahren.

In Baden-Württemberg, dem Bundesland mit der höchsten Amphibienvielfalt, gibt es inzwischen ein flächendeckendes Netz von Krötentunneln. Das Land fördert den Bau mit Millionenbeträgen aus Naturschutzmitteln. Kommunen, die Tunnel bauen, erhalten Zuschüsse von bis zu 80 Prozent.

In Bayern wurden an der „Krötenstraße“ bei Erlangen besonders innovative Tunnel gebaut: Sie sind beheizt, damit sie im zeitigen Frühjahr, wenn die Kröten wandern, nicht zufrieren. Ein Luxus, der sich lohnt – hier wandern jedes Frühjahr mehr als 20.000 Tiere.

Wirkung und Relevanz

Die Krötentunnel haben einen messbaren Beitrag zur Rettung der Amphibien in Deutschland geleistet. In Regionen mit gut ausgebauten Tunnelsystemen haben sich die Bestände erholt oder stabilisiert. Wo früher ganze Populationen ausgelöscht wurden, überleben heute genug Tiere, um den Nachwuchs zu sichern.

Darüber hinaus haben die Tunnel das Bewusstsein für das Problem geschärft. Tausende Freiwillige sind jedes Frühjahr im Einsatz, um an Straßen Kröten einzusammeln und über die Fahrbahn zu tragen – dort, wo noch keine Tunnel existieren. Die Krötentunnel sind das Ziel dieser Bewegung: eine dauerhafte, wartungsfreie Lösung, die nicht auf menschliche Hilfe angewiesen ist.


Quellen:

NABU (2025): Krötenwanderung – Schutzmaßnahmen und Erfolge. Verfügbar unter: https://www.nabu.de

Bundesamt für Naturschutz (2024): Amphibienschutz an Straßen – Leitfaden für die Praxis. Verfügbar unter: https://www.bfn.de

Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (2024): Amphibienschutzprogramm. Verfügbar unter: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de

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