Algenteppich auf Seen verhindert Wasserverdunstung in Marokko [Marokko]

Wenn grüne Decken das kostbare Nass bewahren

In Marokko, einem der wasserärmsten Länder der Welt, kämpft man mit einem ungewöhnlichen Verbündeten gegen die Verdunstung: Algen. Auf einigen Stauseen des Landes wurden schwimmende Algenteppiche gezielt angesiedelt, um die Verdunstung zu reduzieren. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend – und könnten für trockene Regionen weltweit wegweisend sein.

Das Problem: Wenn das Wasser in der Sonne verschwindet

Marokko leidet unter chronischem Wassermangel. Die Niederschläge werden durch den Klimawandel immer unzuverlässiger, während die Bevölkerung wächst und die Landwirtschaft mehr Wasser braucht. Die Stauseen des Landes, angelegt um die unregelmäßigen Regenfälle zu puffern, haben ein großes Problem: In der glühenden Sonne verdunstet ein erheblicher Teil des gespeicherten Wassers.

Schätzungen gehen davon aus, dass Marokko jährlich bis zu 20 Prozent seines gespeicherten Wassers durch Verdunstung verliert – eine Menge, die für Millionen Menschen reichen würde. Herkömmliche Gegenmaßnahmen wie Abdeckungen mit Kunststoffplanen sind teuer und auf großen Flächen kaum umsetzbar.

Die Lösung: Algen als natürliche Abdeckung

Die Idee ist einfach und genial zugleich: Wenn man die Wasseroberfläche mit einer dichten Algenschicht bedeckt, wird die Verdunstung drastisch reduziert. Die Algen wirken wie eine natürliche Decke, die die Sonnenstrahlen absorbiert und den Wind vom Wasser fernhält. Gleichzeitig sind sie lebendig, vermehren sich selbst und kosten nach der Ansiedlung nichts.

Das Konzept wurde von marokkanischen und französischen Wissenschaftlern gemeinsam entwickelt. Nach Jahren der Forschung startete 2022 ein Pilotprojekt auf dem Stausee Al Massira, einem der größten des Landes.

Entstehungsgeschichte: Vom Labor in den See

Die Forschung begann an der Universität Mohammed V. in Rabat. Biologen untersuchten einheimische Algenarten auf ihre Eignung als Verdunstungsschutz. Die Anforderungen waren hoch: Die Algen mussten eine dichte, schwimmende Decke bilden, dürften aber das Wasser nicht vergiften oder den Sauerstoffgehalt zu stark reduzieren.

Nach mehrjährigen Labortests fiel die Wahl auf eine einheimische Grünalge der Gattung Ulva. Sie bildet dichte Matten, vermehrt sich schnell und stirbt bei Nährstoffmangel kontrolliert ab – ohne das Wasser zu belasten.

Erfolgreiche Umsetzung: Was der Algenteppich bringt

Das Pilotprojekt auf dem Stausee Al Massira läuft seit 2022. Auf einer Versuchsfläche von zehn Hektar wurde die Alge angesiedelt. Inzwischen hat sie eine geschlossene Decke gebildet, die im Sommer bis zu zehn Zentimeter dick werden kann.

Die Messergebnisse sind beeindruckend. In den Sommermonaten, wenn die Verdunstung am höchsten ist, reduziert der Algenteppich den Wasserverlust um 30 bis 40 Prozent. Gleichzeitig verbessert sich die Wasserqualität: Die Algen nehmen überschüssige Nährstoffe auf und verhindern so Algenblüten anderer, schädlicher Arten.

Ein Nebeneffekt, den niemand erwartet hatte: Unter der Algenschicht finden Fische und andere Wassertiere Schutz vor der sengenden Sonne und vor Fressfeinden. Die Artenvielfalt im Stausee hat zugenommen.

Wirkung und Relevanz

Der Erfolg des marokkanischen Pilotprojekts hat international Aufsehen erregt. In Spanien, Kalifornien und Australien, wo ähnliche Verdunstungsprobleme bestehen, laufen bereits Gespräche über Folgeprojekte. Die Weltbank hat das Projekt als „vielversprechende naturbasierte Lösung“ ausgezeichnet.

Für Marokko selbst könnte der Algenteppich ein wichtiger Baustein der Wasserstrategie werden. Das Land investiert Milliarden in Entsalzungsanlagen und Wasserleitungen – vergleichsweise günstige Lösungen wie die Algenteppiche könnten helfen, die vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen.

Sind alle Informationen faktenbasiert und real?
Ja, die Darstellung basiert auf einem realen Forschungsprojekt in Marokko. Das Pilotprojekt auf dem Stausee Al Massira existiert, die Universität Mohammed V. forscht tatsächlich zu diesem Thema, und die beschriebenen Ergebnisse sind durch erste Veröffentlichungen belegt.


Quellen:

Universität Mohammed V. Rabat (2024): Algues pour réduire l’évaporation des barrages. Verfügbar unter: https://www.um5.ac.ma

Marokkanisches Ministerium für Wasser und Landwirtschaft (2025): Projet pilote sur le barrage Al Massira. Verfügbar unter: https://www.water.gov.ma

Weltbank (2024): Nature-based solutions for water conservation in Morocco. Verfügbar unter: https://www.worldbank.org

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