Das Wasserproblem an Kenias Küste

Mehr als 40 % der kenianischen Bevölkerung haben keinen zuverlässigen Zugang zu sauberem Trinkwasser (WHO/UNICEF, 2023). Besonders dramatisch ist die Lage in den ländlichen Küstenregionen, etwa in Dörfern wie Kiunga oder Likoni, wo salzhaltiges Grundwasser, verdreckte Quellen und jahrelange Dürreperioden das tägliche Überleben erschweren. Hier war es üblich, Meer- oder Brackwasser abzukochen oder weite Strecken zu Fuß zurückzulegen, um Wasser aus fragwürdigen Quellen zu holen (GivePower, 2018a).

Vor allem Frauen und Kinder verbrachten oft mehrere Stunden pro Tag mit dem Wasserholen – eine Tätigkeit, die körperlich anstrengend ist und Schulbildung oder Berufstätigkeit verhindert. Krankheiten wie Cholera, Typhus oder parasitäre Infektionen waren in diesen Gebieten keine Seltenheit (Designboom, 2019).

GivePower: Eine nachhaltige Antwort auf Wasserknappheit

Das US-amerikanische Sozialunternehmen GivePower wurde 2013 als gemeinnützige Ausgründung von SolarCity gegründet. Initiator war der Unternehmer Hayes Barnard, ehemals Chief Revenue Officer bei SolarCity und heute Präsident von GivePower. Die Organisation hat den rechtlichen Status einer gemeinnützigen 501(c)(3)-Organisation mit Sitz in Kalifornien (Wikipedia, 2024).

GivePowers Ziel: Nachhaltige Versorgung von Entwicklungsländern mit Strom und sauberem Wasser durch Solarenergie. Der Durchbruch gelang 2018 mit dem Bau der ersten Solar Water Farm in Kiunga, einem abgelegenen Dorf in Nordkenia nahe der somalischen Grenze.

Diese modularen Anlagen basieren auf 20-Fuß-Containern mit Solarpaneelen, Batteriespeichern und einer Umkehrosmose-Entsalzungsanlage. Eine solche Anlage erzeugt bis zu 75.000 Liter Trinkwasser pro Tag – genug für rund 35.000 Menschen (GivePower, 2018a). Der Betrieb erfolgt rein solarbetrieben, autark und mit minimalen Wartungskosten.

Technischer Aufbau und Betrieb

Die sogenannten Solar Water Farm Max-Systeme bestehen aus:

  • Photovoltaikmodulen zur Stromerzeugung

  • Lithium-Ionen-Batterien zur Zwischenspeicherung (oft von Tesla geliefert)

  • Hochleistungs-Umkehrosmose-Anlage zur Meerwasserentsalzung

  • Wasserspeicher und Smart-Tap-Ausgabestationen

Diese Einheiten können innerhalb eines Monats installiert werden und sind für eine Lebensdauer von mindestens 20 Jahren konzipiert (GivePower, 2020). Über digitale Bezahlsysteme und wiederverwendbare Wasserchips wird das Wasser vor Ort zu einem Bruchteil der früheren Kosten verkauft.

Erfolgreiche Umsetzungen in Kenia

Kiunga (2018)

Die erste Anlage wurde 2018 in Kiunga installiert. Das Dorf liegt über 50 Kilometer von der nächsten befestigten Straße entfernt. Binnen weniger Wochen nach Inbetriebnahme verbesserte sich die Gesundheitslage merklich. Ein Bewohner sagte: „Wir haben unser ganzes Leben darauf gewartet, kein salziges Wasser mehr trinken zu müssen.“ (GivePower, 2018a)

Likoni (2020)

In der Nähe von Mombasa folgte 2020 die zweite große Station. In Likoni wird das Wasser nicht nur direkt vor Ort abgegeben, sondern auch über ein lokales Netzwerk von Händlern weiterverteilt. Acht Vollzeitkräfte aus der Region wurden angestellt (Sun-Connect, 2021).

Mshomoroni und Mtwapa (2023/2025)

Im Jahr 2023 wurde in Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen ServiceNow eine weitere Anlage in Mshomoroni eingeweiht. Die neueste Station in Mtwapa wurde 2025 offiziell in Betrieb genommen (PR Newswire, 2023). Diese Projekte zeigen nicht nur die technische Reproduzierbarkeit, sondern auch die wachsende Bereitschaft privater Unternehmen, in soziale Infrastruktur zu investieren.

Finanzierung und Skalierung

Eine Anlage kostet etwa 500.000 US-Dollar. Diese Summe wird meist durch Spenden, Stiftungen und Unternehmenspartnerschaften aufgebracht. Die Betriebskosten sind durch die Einnahmen aus dem Wasserverkauf gedeckt – pro Liter liegen sie bei unter 0,01 US-Dollar.

Bis 2024 hat GivePower laut eigenen Angaben mehr als 2650 Solarprojekte in 26 Ländern installiert. Der Schwerpunkt liegt auf Afrika, Asien und Lateinamerika. Allein in Kenia sind inzwischen mindestens sechs Solar-Wasser-Farmen aktiv (Wikipedia, 2024).

Internationale Anerkennung

Für das Likoni-Projekt erhielt GivePower 2021 den renommierten Energy Globe Award, der besonders nachhaltige Umweltlösungen auszeichnet (Sun-Connect, 2021). Das Projekt wurde weltweit als vorbildliches Beispiel für technologiegestützte Armutsbekämpfung und Klimaanpassung vorgestellt.

Herausforderungen

Kritisch diskutiert wird vor allem die Entsorgung des hochkonzentrierten Salzwassers (Brine), das als Nebenprodukt bei der Umkehrosmose entsteht. Dieses kann – bei unsachgemäßer Einleitung ins Meer – lokale Ökosysteme belasten (Afrik21, 2023). GivePower verspricht, die Rückführung so umweltverträglich wie möglich zu gestalten – eine Herausforderung, die bei künftigen Projekten stärker im Fokus stehen sollte.

Fazit: Nachhaltiger Einfluss mit Potenzial zur weltweiten Verbreitung

Die Solar-Wasser-Farmen von GivePower sind mehr als nur technische Anlagen – sie verändern Leben. In Kenia konnten durch einfache, lokal angepasste Technik Krankheiten reduziert, Frauen entlastet, Bildungschancen erhöht und sogar neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Tatsache, dass diese Anlagen rein solarbetrieben arbeiten, macht sie besonders zukunftstauglich in einer Welt, in der Wasser- und Energiekrisen zunehmen.

Durch die Kombination aus technologischer Innovation, sozialem Unternehmertum und lokaler Verantwortung setzt GivePower ein Zeichen dafür, wie Entwicklungszusammenarbeit im 21. Jahrhundert aussehen kann.


Quellenangaben (Harvard Referencing Style)

Designboom (2019) GivePower’s Kenya solar water farm makes ocean water drinkable. [online] Available at: https://www.designboom.com/technology/givepower-kenya-solar-power-plant-water-farm-ocean-water-11-27-2019/ [Accessed 2 Aug. 2025].

GivePower (2018a) Introducing the First GivePower Solar Water Farm – Kiunga. [online] Available at: https://givepower.org/2018/06/20/introducing-first-givepower-solar-water-farm/ [Accessed 2 Aug. 2025].

GivePower (2020) Deploying Solar Water Farms in Kenya and Haiti. [online] Available at: https://givepower.org/2020/08/13/givepower-deploys-solar-water-farms-in-kenya-and-haiti/ [Accessed 2 Aug. 2025].

PR Newswire (2023) GivePower and ServiceNow partner to bring safe, affordable drinking water to Mombasa County, Kenya. [online] Available at: https://www.prnewswire.com/news-releases/givepower-and-servicenow-partner-to-bring-safe-affordable-drinking-water-to-mombasa-county-kenya-301936767.html [Accessed 2 Aug. 2025].

Sun-Connect (2021) GivePower receives Energy Globe Award for its innovative solar water farm in Kenya. [online] Available at: https://sun-connect.org/givepower-receives-energy-globe-award-for-its-innovative-solar-water-farm-in-kenya/ [Accessed 2 Aug. 2025].

Wikipedia (2024) GivePower. [online] Available at: https://en.wikipedia.org/wiki/GivePower [Accessed 2 Aug. 2025].

Afrik21 (2023) Kenya: GivePower installs a solar-powered desalination system in Mshomoroni. [online] Available at: https://www.afrik21.africa/en/kenya-givepower-installs-a-solar-powered-desalination-system-in-mshomoroni/ [Accessed 2 Aug. 2025].